Aufklärung über rassistische Propaganda im Namen des "Kampfs gegen den Islam", den pathologischen Hass auf Muslime, die Täter und ihre Motive.

16 Juni 2006

Christen machen mobil fürs Mittelalter

Katholiken machen gegen Paragraph 218 mobil

München. Per Interview mit einem katholischen Sozialwissenschaftler arbeitet die katholische Kirche erneut auf eine Revision des Paragraphen 218a hin. Eine Änderung der Regelungen des Gesetzes zu sogenannten Spätabtreibungen wird auch von Teilen der Unionsfraktion im Bundestag gefordert. Ärzte dürften eine Abtreibung im letzten Drittel einer Schwange-ren nur empfehlen und durchführen, wenn eine »unmittelbare Gefährdung des Lebens der Mutter« bestehe, forderte Professor Manfred Spieker am Dienstag auf dem Nachrichtenportal der deutschen Katholiken (www.kath.net). Seit der Reform des Paragraphen 218a im Jahre 1995 sind Schwangerschaftsabbrüche bis zur Geburt auch wegen einer Behinderung des Kindes erlaubt. Spieker, der einen Lehrstuhl für Christliche Sozialwissenschaften am Institut für Katholische Theologie der Universität Osnabrück innehat, erklärte » ein Staat, der glaube, er könne die Tötung Unschuldiger rechtlich regeln, ist ein Widerspruch in sich selbst. Er zerstört seine eigene Legitimitätsgrundlage«.

Quelle

12 Juni 2006

Deutsche Vergangenheits-Entsorgung

Die Entsorgung der deutschen Vergangenheit ist seit der Übernahme der DDR zentrales Anliegen aller gesellschaftlich relevanten Kräfte in der BRD. Natürlich gibt es da aber unterschiedliche Ansätze. Während die einen eher mit "Es muss doch mal Schluss sein"-Rethorik und "Schuld-Kult"-Vorwürfen punkten wollen, rechtfertigen andere Deutsch-Nationalismus und Militarisierung gerade mit statt trotz Auschwitz. Die Ziele sind die gleichen, die Phrasen eigentlich austauschbar - sie richten sich nur an unterschiedliche Spektren.

Ein relativ neuer Trick zur "Vergangenheitsbewältigung" wälzt nicht nur die deutsche Schuld auf andere ab, sondern ist auch noch tagespolitisch nutzbar. Wie er funktioniert, sei beispielhaft am folgenden Bericht über eine Kundgebung demonstriert, die am 11.Juni in Nürnberg stattfand:

Heute um 15:00 Uhr traf sich am Nürnberger Jakobsplatz ein kurioses Spektrum. "Honestly-Concerned" rief gemeinsam mit der CSU zu einer Kundgebung pro Israel und gegen den Iran auf. Den Aufruf unterstützen u.a. die Redaktion Bahamas, die prozionistische Linke Frankfurt, Henryk M. Broder, die Springer-Redakteure Thomas von der Osten-Sacken und Hannes Stein (Autor von "Endlich Nichtdenker!"), Matthias Küntzel und viele weitere Gruppen und Einzelpersonen aus dem konservativen und/oder israelsolidarischen Spektrum. Als Redner sollten u.a. der bayerische Innenminister Günther Beckstein, Claudia Roth und die neue Zentralratsvorsitzende Charlotte Knobloch fungieren.
Über Günther Beckstein braucht man wohl kaum mehr ein Wort verlieren - zu oft hat er sich bisher als christlicher Fundamentlist und Kämpfer gegen Bürgerrechte geoutet. Aber auch die anderen Redner hatten es in sich.
Charlotte Knobloch war schon im Vorfeld negativ aufgefallen, als sie zunächst die rassistische Gewalt im Osten Deutschlands verharmloste, und statt dessen mehr Patriotismus einforderte, um danach Ahmadinedschad als "den neuen Hitler" zu bezeichnen.

In diesem Tenor stand dann auch die Veranstaltung in Nürnberg. Die deutsche Schuld wird auf Araber und Muslime abgewälzt, und das so gewonnene neue "reine" Gewissen ist die Rechtfertigung für nationalistische Formierung und rassistische Gewalt. Nachdem der Holocaust in den Nahen Osten ausgewandert ist, können deutsche endlich wieder vermeintliche Artfremde jagen, ohne sich als Nazis beschimpfen zu lassen. Die Nazis des 21. Jahrhunderts sind in dieser Diktion die Araber, und man selbst steht im Krieg endlich auf der richtigen Seite - auf der der Sieger, der Anti-Hitler-Koalition.

Alle Redner strickten fleißig mit an dieser Ideologie und wurden dafür eifrig beklatscht. So auch Michel Friedmann, der Ahmadinedschad als den "Hitler des 21. Jahrhunderts" bezeichnete.
Keiner der Teilnehmer sah anscheinend solche Relativierungen des NS-Terrors kritisch. Argumente hätten in der aufgeheizten Stimmung auch keine Chance gehabt. Wer darauf bestanden hätte, dass die Menschen jüdischen Glaubens im Iran ganz normale gleichberechtigte Staatsbürger sind, und Minderheitenrechte genießen, wie etwa eigene Abgeordnete im Parlament, wäre wohl dem Mob zum Opfer gefallen. Ebensowenig darf darauf hingewiesen werden, dass Ahmadinedschad im Vergleich mit seinem von Deutschland hofierten Vorgänger wohl eher als Reformer zu bezeichnen ist. Schließlich würde das alles der nationalistischen Formierung im Zeichen des Kampfes gegen den Islam im Wege stehen. Und so schwenkte die jubelnde Masse ihre blau-weissen und schwarz-rot-goldenen Fahnen und fühlte sich stolz, deutsch zu sein.

05 Juni 2006

religiöser Fundamentalist hetzt gegen Homosexuelle

Religiöser Fundamentalist hetzt gegen Homosexuelle und will Diskriminierung gesetzlich festschreiben
Bush will Homo-Ehen verbieten lassen

Wenige Monate vor den Kongresswahlen müht sich US-Präsident Bush, mit moralkonservativen Forderungen zu punkten: Er fordert, gleichgeschlechtliche Ehen durch einen Zusatz in der US-Verfassung zu untersagen.

Washington - In seiner wöchentlichen Radio-Ansprache forderte der Präsident demn Kongress, einen Verfassungszusatz zu verabschieden, so dass nur eine Ehe nur zwischen einem Mann und einer Frau geschlossen werden kann. Die Erfahrung zeige, dass die Liebe einer Ehefrau und eines Ehemannes zum Wohlergehen der Kinder und zur Stabilität der Gesellschaft beitrage, sagte Bush in seiner Ansprache. "Die Ehe kann nicht abgeschnitten werden von ihren kulturellen, religiösen und natürlichen Wurzeln, ohne diesen guten Einfluss auf die Gesellschaft zu schwächen."

AFP
Republikaner Bush: "Natürliche Wurzeln" der Ehe beschworen
Er werde sich am Montag mit Vertretern von Gemeinden und Bürgerrechtsorganisationen treffen, um über das Thema zu sprechen, so Bush. Republikaner und Unabhängige unterstützten die Initiative.

Der Verfassungszusatz würde es den Einzelstaaten verbieten, gleichgeschlechtliche Ehen anzuerkennen. Dafür ist allerdings eine Zwei-Drittel-Mehrheit in beiden Kammern notwendig. Danach müssten die Parlamente in mindestens 38 Staaten den Zusatz ratifizieren. Das galt als wenig wahrscheinlich. Im Senat mit seinen 100 Sitzen kamen die Anhänger kaum auf 50 Stimmen. Bisher hat nur ein Demokrat erklärt, dass er den Verfassungszusatz unterstützen wolle.

Die oppositionellen Demokraten warfen dem Präsidenten vor, das Thema vor den Wahlen im November politisch auszuschlachten. Im November werden das gesamte Repräsentantenhaus und ein Drittel des Senates neu gewählt. Bisher sieht es so aus, als müsse sich Bushs republikanische Partei auf einen deutlichen Verlust von Mandaten einstellen.

von Spiegel online

Die Forderung des "Führers der freien Welt" ist wohl wieder einmal ein Ausdruck des "aufgeklärten Westens" der gegen religiöse Intoleranz aufsteht...

19 Mai 2006

Europas vereinte Fussballnazis planen Massaker an Muslimen

WM: Europas vereinte Fussballnazis planen Massaker an Muslimen

Gemäss einem Bericht der italienischen Zeitung La Repubblica haben sich Europas Hooligans und Neonazis grenzübergreifend zusammengetan. Gemeinsames Ziel: Ein Massaker an Muslimen in Deutschland.

«Wir haben uns zusammgenschlossen. Zum ersten mal sprechen und planen wir zusammen, mit den Engländern, den Deutschen, den Holländern, den Spaniern. Wir haben ertmals alle ein gemeinsames Ziel: An der Weltmeisterschaft wird es ein Massaker geben», diktiert der italienische Hooligan dem La Repubblica-Reporter in den Notizblock. Der rechtsextreme Ultra weiss, wovon er spricht. Laut eigener Aussage hat er an dem Treffen teilgenommen, an dem sich die verschiedenen Hooliganverteter Europas auf eine gemeinsame Linie geinigt haben. Für ihr Treffen wählten die vereinigten Fussball-Nazis einen symbolträchtigen Ort: Braunau am Inn in Österreich.

Der interviewte italienische Faschist ist laut La Repubblica bekennender Fan der AS Roma. An der WM freut er sich aber nur auf das grosse Blutbad: «Wir werden alle in Deutschland sein. Und dort hat es Türken, Algerier, Tunesier. Wir werden sie angreifen. Das sind alles Feinde, die wir eliminieren werden. Genauso wie die Polizei.» Angst hat der Nazi-Fan gemäss eigener Aussage in La Repubblica nicht. «Warum auch», fragt er lapidar: «Wir werden Zehntausend sein.»

Quelle

Heinersdorf: Demo gegen Moschbau

In dem Heinersdorf im Berliner Bezirk Pankow tobt der Mob. Grund ist der Plan einer muslimischen Gemeinde dort eine Moschee zu errichten. Was sich schon 56% der Deutschen bei Meinungsumfragen zugeben trauen, das brüllt die Heinersdorfer Dorfgemeinschaft offen heraus: die fremdartigen Gebäude noch fremdartigerer Menschen haben in Deutschland keinen Platz und gehören verboten.

Bei einer vom Bürgermeister einberufenen Bürgerversammlung zum Thema Moscheebau strömten sie zu Hunderten herbei, schimpften gegen "die Ausländer" und die Multikulti-Verschwörer "da oben" und verursachten schließlich einen derartigen Tumult, dass die Polizei einschreiten mußte. Die Mitglieder der muslimischen Gemeinde mußten unter Polizeischutz aus der Menge eskortiert werden, dabei grölte der Mob "Haut ab! Haut ab!". mehr

Die flugs gegründete Bürgerinitiative gegen den Moscheebau steht seitdem an vorderster Front imKulturkampf gegen Überfremdung in der deutschen Hauptstadt. Auch die NPD versuchte die Stimmung zu nutzen, blieb jedoch im Gegensatz zu ihren bürgerlichen Kollegen chancenlos: wo Rassenhass Konsens ist, braucht es keine lächerlichen Splitterparteien. Da hilft es auch nichts, dass die Heinersdorfer ebenso wie die Bildzeitung erklären: die Politik hat beim "Ausländerproblem" versagt. Das nehmen die Bürger nun selbst in die Hände und brauchen dafür keine NPD.

Für den 20.Mai ist nun eine Rassisten-Demo mit dem Vorwand des Moscheebaus angekündigt. Diese Demonstration ist mehr als ein moralisches Problem: von ihr geht reale Gefahr für alle Anwohner und Passanten aus, die nicht 100% dem Bild des "guten Deutschen" entsprechen. Der Bürgermob hat bereits gezeigt, dass er bereit ist, selbst gewalttätig zu werden. Die Stimmung im Lande tut ihr übriges, Rassisten die vermeintliche Muslime angreifen fühlen sich als Speerspitze des Deutschen Volkes, welches sich im aufgezwungenen Kulturkampf finstere islamische Mächte befindet. Diesem rassistischen Wahn, dieser irrationalen Raserei ist mit Argumenten nicht mehr beizukommen. Die Situation erinnert fatal an die Zeit vor den Pogromen in Rostock-Lichtenhagen, Mölln, Solingen und unzähligen weiteren Städten.
Deshalb ist es unbedingt notwendig, die Vernichtungsphantasien der Heinersdorfer schon im Keim zu ersticken, und damit ein Signal an alle Deutschen auszusenden: ihr werdet nicht mehr ungestraft morden!

17 Mai 2006

Der Dammbruch

Umfrage: Toleranz gegenüber Muslimen nimmt ab

Allensbach/Frankfurt (dpa) - Die Toleranzbereitschaft der Deutschen gegenüber dem Islam ist gesunken. Zu diesem Ergebnis kommt das Institut für Demoskopie Allensbach in seiner jüngsten Monatsumfrage für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung".

"Angesichts des diffusen Gefühls der Bedrohung und der vermuteten Intoleranz des Islam sinkt die Bereitschaft der Deutschen, ihrerseits Toleranz gegenüber dem muslimischen Glauben zu üben", stellen die Allensbacher Demoskopen fest. Das Meinungsforschungsinstitut hatte für die Studie zwischen dem 28. April und dem 10. Mai rund 2000 Bürger befragt.

56 Prozent der Befragten sprachen sich dafür aus, dass der Bau von Moscheen in Deutschland verboten werden sollte, wenn in manchen islamischen Ländern keine Kirchen gebaut werden dürfen. Auch erhebliche Eingriffe in das Grundrecht der Religionsfreiheit würden derzeit von einem großen Teil der Bevölkerung befürwortet. Immerhin 40 Prozent der Befragten stimmten der Aussage zu: "Um zu verhindern, dass es zu viele radikale, gewaltbereite Moslems in Deutschland gibt, sollte man die Ausübung des islamischen Glaubens in Deutschland stark einschränken".

Immer mehr Menschen in Deutschland sind nach der Umfrage auch der Meinung, dass zwischen Christentum und Islam ein "Kampf der Kulturen" im Gange sei. 56 Prozent vertreten diese Auffassung, während nur 25 Prozent gegenteiliger Meinung sind. Im Spätsommer 2004 betrug das Verhältnis noch 46 zu 34 Prozent.

Quelle

13 Mai 2006

"Burka-Schülerinnen" von Geheimdienst geprüft

Zwei Schülerinnen einer Bonner Gesamtschule sind wegen des Wahrnehmens grundrechtlich verbriefter liberaler Freiheitsrechte vom Unterricht suspendiert worden. Den beiden wurde vorgeworfen durch das "Tragen einer Burka" den "Schulfrieden gestört" zu haben. So geisterete die Geschichte jedenfalls durch alle deutschen medien, und der Rektor der Schule wurde als jemand "der endlich durchgreift" einhellig gelobt. Dass allein schon die Anwesenheit vermeintlicher Fremder (aus derdem Haus nebenan) in Deutschland Staat und Mob gleichermaßen in Rage versetzen, ist an sich schon schlimm genug. Hinzu kommt, dass die Geschichte aber nicht einmal so stattgefunden hat, wie sie Bild&Co zu Propagandazwecken verbreiteten. So handelte es sich nicht etwa um Burkas, sondern um einen sogenannten Nigab, bei dem keineswegs das Gesicht vollständig vershcleiert wird - die "Burka" wurde von der Journaille nur als Reizwort benutzt. Die Bildzeitung setze noch die Behauptung in die Welt, dass die beiden Mädchen in der Woche zuvor noch bauchfrei und aufreizend in der Schule erschienen waren. Dieser erfundene Unsinn sollte unterstreichen, was auch in anderen Medien nahegelegt wurde: hinter der Verschleierung stecken finstere islamische Kräfte, die sich in den sog. Parallelgesellschaften zusammenrotten, und lebensfrohen Kinder unter den Schleier zwingen. Wieso bejubeln aber gerade diejenigen, die behaupten, dass es sich bei den muslimischen Mädchen um Opfer handelt, dann ausgerechnet die Repressionen in Form von Schulausschluss gegen die beiden? Auch dieser Teil der Geschichte wurde im Übrigen wieder in Springers Hinterzimmern erdacht - mit der Realität hatte er nichts zu tun. Die Eltern beider Teenager lehnen religiöse Bekleidung jeder Form ab, und waren selbst entsetzt über das Verhalten ihrer Sprößlinge. Trotzdem wurden deutsche Geheimdineste aktiv, um die Mädchen zu überwachen. Schließlich ist nichts gefährlicher für Volk & Staat als die Existenz des "Fremden".

By the way: Im ersten Furor maulte Zottel-Sozi Thierse, es könne nicht angehen, dass sich SchülerInnen im Unterricht durch ihre Kleidung entindividualisieren und "unsichtbar machen". Seine Parteikollegin nahm das gleich zum Anlass, zur Verdeckung "religiöser und sozialer Unterschide" die Einführung von Schuluniformen zu fordern. Bis jetzt hat sich niemand gefunden, der darin irgendeinen Widerspruch bemerken konnte.

07 Mai 2006

Inside "freie Presse": "Ausländergewalt" (reloaded)

Durch einen Zufall konnte dokumentiert werden, welche Methoden die deutsche Presse verwendet, um rassistische Raserei zu erzeugen. Das ZDF beispielsweise fälschte dabei sogenannte "Ausländergewalt", um zu suggerieren, das deutsche Volk sei in einer Notwehrsituation und könne nicht anders als mit "Gegenwehr" in Form von staatlicher Diskriminierung und privater Mordanschläge das eigene Leben schützen. Selbstverständlich hatte das Staats-TV nur Pech erwischt zu werden - alle anderen deutschen Staats- oder Konzern-Medien arbeiten auf die gleiche Art an der antimuslimischen Kampagne mit.

Hamburger Abendblatt vom 06.04.06

"Wie aggressiv die Stimmung ist, zeigen diese Bilder", sagt die Stimme aus dem Off. "Die Gewalt ist oft spontan und unkontrolliert." Zu sehen sind dabei Bilder von Jugendlichen aus Mümmelmannsberg, die brutal aufeinander losgehen - und, so fügt der Sprecher in betroffenem Ton hinzu, nur durch die Gegenwart des Kamerateams vom Schlimmsten abgehalten werden können. Zu sehen waren die Bilder am Mittwoch vergangener Woche im ZDF-Magazin "ZDF.reporter" - angekündigt als Beitrag einer "ZDF-Reporterin". Von einer "Gang" mit dem Namen "Die Mümmler" ist darin die Rede - und es wird suggeriert, daß ganz Mümmelmannsberg diese Jungen fürchte. Auch Volker Krane, Mathelehrer an der Gesamtschule Mümmelmannsberg, sah den Beitrag - und wunderte sich. Denn die meisten der Jugendlichen, die darin vorkamen, sind seine Schüler an der Gesamtschule Mümmelmannsberg. "Ich kenne viele seit Jahren, die sind nicht so, wie im Film dargestellt." Am nächsten Morgen saßen die Jugendlichen wieder brav in Kranes Unterricht. Auf die Frage, warum sie denn so einen Quatsch vor der Kamera gemacht hätten, bekam Krane die klare Antwort: "Weil wir dafür Geld bekommen haben." Noch am selben Tag wandte sich der Lehrer ans ZDF. "Zunächst haben die bestritten, daß Geld geflossen sei", erzählt er. "Dann hieß es plötzlich, daß eine Aufwandsentschädigung gezahlt worden sei." Gestern nachmittag gelang es dem "Abendblatt", mit einem der jungen Männer zu sprechen, die in dem Film vorgeführt werden. "Ja, ich habe Geld bekommen", sagt er. "Die haben uns richtig gekauft. Erst haben sie gesagt, sie wollten viel Positives über den Stadtteil sagen, dann wollten sie Action sehen. Wir sollten so tun, als würden wir uns prügeln und Drogen kaufen. Ich habe das so gemacht, wie die das haben wollten. Wir haben nie gesagt, daß wir eine ›Gang‹ sind. Und niemand würde behaupten, daß es in Mümmelmannsberg ab acht Uhr abends gefährlich ist. Mümmel ist abends so ruhig wie ein Friedhof. Die haben die Geschichte richtig verdreht. Natürlich war es so, daß die gesagt haben, ihr kriegt Geld. Und wir haben dann gesagt: Na gut, dann machen wir, was die wollen. Wir haben nur gesagt, was die hören wollten. Daß die so übertreiben würden, habe ich nicht gedacht."

06 Mai 2006

Der Imperator plant neue Feldzüge

Um sich der Treue der beutegeilen Meute an potentiellen "Koalitonspartner" im nächsten Raubzug zu versichern, bereist der Imperator die Aasgeier-Staaten Europas. Dabei macht sein Tross auch halt in Deutschland. Dessen Chefin hat bereits Nibelungentreue geschworen - denn fette Beute winkt. Doch es gibt auch Widerstand gegen den in Planung befindlichen Massenmord.

Wenig Freude über Bush-Besuch
Friedensgruppen wollen US-Präsidenten in Stralsund gebührend empfangen


Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ist am Freitag mittag von ihrem zweitägigen USA-Besuch nach Berlin zurückgekehrt. Merkel hatte in ihren Gesprächen mit US-Präsident George W. Bush den Atomstreit mit Iran erörtert und dabei eine gemeinsame diplomatische Lösung gefordert. Am Donnerstag abend (Ortszeit) hielt Merkel in Washington eine Festrede anläßlich des 100jährigen Bestehens des American Jewish Committee. Dabei bezeichnete sie das Einstehen der Bundesrepublik für das Existenzrecht Israels als eine »unverrückbare Konstante deutscher Außenpolitik«.

Der Vorsitzende der Linksfraktion im Bundestag, Oskar Lafontaine, kritisierte Merkels unkritische Haltung gegenüber Washington. Der USA-Besuch habe erneut gezeigt, »daß die deutsche Außenpolitik nach wie vor keine Grundlage hat«, erklärte er. »Vielmehr ist sie ein unkritisches Anhängsel der gescheiterten Außenpolitik der Bush-Administration. Das ist enttäuschend und beschämend.«

Bei Friedensgruppen stieß unterdessen die Ankündigung »auf wenig Freude«, daß der US-Präsident auf Einladung Merkels Mitte Juli in Stralsund »Menschen auf der anderen Seite der Mauer« besuchen wird. »Trotzdem werden wir den Präsidenten gebührend empfangen«, versicherte Monty Schädel, Bundessprecher der DFG-VK (Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen), in Rostock. Schädel verwies in diesem Zusammenhang darauf, daß sich in der Vergangenheit überdurchschnittlich viele Menschen bei Umfragen unter der Bevölkerung im Gebiet der DDR gegen die Kriegspolitik der US-Regierung ausgesprochen haben. Hier sei aus der Geschichte gelernt worden. Krieg finde als Mittel der Politik mehrheitlich keine Zustimmung. »Ich bin zuversichtlich«, erklärte Schädel, »daß Folterlager auf der ganzen Welt, Blitzkriege in der Vergangenheit und Säbelrasseln gegenüber neuen potentiellen ›Feinden‹ ausreichend Grund sein werden, daß in Stralsund und der Bundesrepublik viele Menschen dem Präsidenten und der Kanzlerin deutlich machen werden, was sie von solcher ›Politik‹ halten.«

Die im Zusammenhang mit dem bevorstehenden Bush-Besuch von der Gewerkschaft der Polizei vorgebrachte Forderung nach einer weiteren Verbesserung der »materiellen und finanziellen Ausstattung der Sicherheitskräfte im Land« wieß Schädel entschieden zurück. »Die Polizei hat bereits am vergangenen Wochenende in Rostock nachgewiesen, daß sie in der Lage ist, eine Stadt lahmzulegen und Grundrechte zu ignorieren. Auch die geplanten Änderungen in Sicherheits- und Ordnungsgesetz Mecklenburg-Vorpommern sind eher dazu geeignet Menschen zu überwachen als zu beschützen oder gar Grundrechte zu sichern.«
jw vom 06.05.06

04 Mai 2006

Anschläge auf Mannschaft während WM geplant?

Die iranische Fußballelf wird es nicht leicht haben in Deutschland. Nicht etwa hinsichtlich ihrer Ballkünste, sondern weil sie in einem Land spielen müssen, das gerade voll in den Kriegsvorbereitungen gegen den Iran steckt. Tagtäglich sind die Gazetten voll mit Hetze gegen den auszulöschenden Feind, und Kanzlerin Merkel hat bereits offen die Unterstützung der USA bei ihrem Feldzug angekündigt. Nach innen wird das ganze abgerundet mit einer rassistischen Mobilmachung gegen die als 5.Kolonne des Feindes ausgemachten MigrantInnen und Menschen mit migrantischen Vorfahren. Um die antimuslimische Ideologie gegen jede Form der Besinnung oder Kritik zu immunisieren, ist der bayerische Innenminister Beckstein nun ein neues Meisterstück gelungen. Konkret geht es um mögliche Anschläge gegen die iranische Fußballelf, die leider im Feindesland gar nicht so unwahrscheinlich sind. Die iranische Regierung bat deshalb ihr deutsches Pendant darum, so gut wie möglich die Sicherheit der iranischen Kicker zu garantieren. Statt dies als Selbstverständlichkeit zu akzeptieren, konterte der christliche Inneminister mit antimuslimischen Verschwörungstheorien. Wenn Muslime Opfer von Gewalt werden, gibt es keinen Grund mit den Opfern mitzufühlen, denn sie stecken selbst dahinter, so das anlässlich der WM verbreitete neue Ideologie-Fragment. Die Iraner hätten doch nur vor, ihr eigenen Leute umzubringen, um es dann anderen in die Schuhe zu schieben. Natürlich handelt es sich dabei um eine klassische Argumention aus dem Repertoire des Antisemitismus, die hierr für antimuslimische Zwecke fruchtbar gemacht wurde. Kritik blieb jedoch vollkommen aus. Damit ist der Weg frei für jede Form von Gewalt gegen Muslime – kein Täter braucht mehr fürchten, verantwortlich gemacht zu werden.

siehe z.B. hier

02 Mai 2006

Bestürzung über Ahmadinedschad

via anti-wm-blog
Wieder hat der iranische Staatspräsident Mahmud Ahmadinedschad mit provokanten Aussagen für Aufregung gesorgt. Nach einem Erlass Ahmadinedschads werden Fußballstadien nun auch für Frauen geöffnet. Ahmadinedschad erklärte außerdem, Frauen sollten die besten Plätze in den Stadien zugesichert bekommen. Damit löste der Staatschef, der als passionierter Fußball-Fan gilt, einen Sturm der Entrüstung unter Konservativen und religiösen Fundamentalisten aus. Jenen gelten schon die kurzen Hosen der iranischen Kicker als Gotteslästerung. Großajatollah Safi Golpajegani beispielsweise forderte von Ahmadinedschad, die Entscheidung zurückzunehmen. „Nach islamischer Ansicht ist der Blick einer Frau auf einen Mann, auch wenn dabei keinerlei Vergnügen im Spiel ist, nicht zulässig" meinte der religiöse Eiferer. Unbeeindruckt von den Ewiggestrigen spielte die iranische Frauen-Fußball-Nationalmannschaft am Freitag zu ihrem ersten Heimspiel in Teheran auf. Mahmud Ahmadinedschad, der privat auch selbst gerne dem runden Leder nachjagt, hat angekündigt, ebenso wie tausende andere iranische Fans während der WM die iranische Mannschaft bei einem Besuch in Deutschland anfeuern zu wollen.

siehe auch

29 April 2006

Vor Paralleluniversen wird gewarnt

von nachdenklich:
Wer in Deutschland lebt, darf kein Verhalten an den Tag legen, das die Bildung von Parallelgesellschaften fördert, meint die Bonner Oberbürgermeisterin und SPD-Vizechefin Bärbel Dieckmann. Das ist eine Forderung, über die mensch angesichts obskurster Vereinsmeierei, dem Weiterbestehen seltsamer Verbindungen und der Ungenauigkeit des Parallelgesellschafts-Begriffs den Kopf schütteln möchte.

Was veranlasst Frau Dieckmann zu einem solch gleichermaßen sinnfreien und hetzerischen Ausspruch? Na, ihr habt’s schon erraten, eine Symboldebatte. Zwei SchülerInnen einer Bonner Gesamtschule hatten es gewagt, totalverschleiert in der Lehranstalt aufzutauchen. Die beiden 18-jährigen Frauen, die wohl demnächst quer durch jedes Boulevardmagazin gejagt werden dürften, wurden sofort suspendiert. Sogar der Wolfgang Thierse fand das richtig, denn eine Identifizierung solcher völlig verhüllter Personen sei nur noch über die Stimme möglich. Dies könne auch Ängste auslösen. Die anderen Schülerinnen hätten nicht gewusst, ob die beiden überhaupt zur Schule gehörten.
Ja, furchtbar. Alle beteiligten, die beiden ProvokateurInnen mal ausgenommen, beeilten sich zu betonen, mit einem Verbot religiöser Symbole habe das nichts zu tun. Stimmt. Eher mit einer Kleiderordnung.

So richtig entscheiden konnte mensch sich aber nicht, welche Auswirkungen die Totalverschleierung nun hatte. Während eine Sprecherin der Bezirksregierung meinte, es wurde an der Schule über nichts anderes mehr gesprochen, und keiner hätte sich mehr auf den Unterricht konzentriert, sagte Thierse die zwei Schülerinnen hätten sich „unsichtbar“ gemacht. Ja was denn nun? Den Unterricht gestört oder sich ins Paralleluniversum zurückgezogen?

Natürlich wird vermutet, die beiden Schülerinnen hätten nicht aus eigenem Antrieb gehandelt.

Die beiden haben jetzt übrigens Schulverbot für 14 Tage. Angeblich wird das wieder aufgehoben, wenn sie die Burkas (ist das der richtige Plural?) wieder ablegen.

Ach ja: Quelle

Des Deutschen liebstes Blatt weiss sogar noch mehr:
Komisch: Nur Wochen vorher waren die Mädchen sogar noch bauchfrei in der Schule erschienen.
Springers Quelle dafür? Natürlich wie immer keine.

25 April 2006

religiöse Fundamentalisten vs Meinungsfreiheit II

Christliche Fundis machen ernst und zeigen MTV wegen Satire-Show an
CSU zeigt MTV wegen Religionsbeschimpfung an

München (AP) Der bayerische CSU-Fraktionschef Joachim Herrmann hat gegen den Fernsehsender MTV Strafanzeige wegen Religionsbeschimpfung gestellt. Die vor Ostern erschienene Anzeige für die MTV-Serie «Popetown» mit dem vom Kreuz herabgestiegenen Christus und der Überschrift «Lachen statt rumhängen» verhöhne den Kern des christlichen Glaubens, sagte Herrmann am Dienstag in München. ... mehr

Nürnberg: "Volksseele kocht"!

Nürnberg hat als einzige WM-Stadt die Möglichkeit bekommen, eine Kunstmeile zur WM zu erstellen – und das vollkommen kostenfrei, finanziert vom DFB und anderen Sponsoren. Doch die Volksseele kocht, denn ein geplantes Werk des Künstlers Olaf Metzel am Nürnberger Hauptmarkt läßt die sonst so trägen Massen Sturm laufen. Metzel möchte am Hauptmarkt eine Skulptur aus ehemaligen Stadionstühlen des Münchner Olympiastadions aufbauen, die den Titel "Auf Wiedersehen!" trägt. Für Bürger und Lokal-Presse ist klar: Es handelt sich um eine Schrott-Skulptur. Hauptärgernis ist jedoch, dass die Skulptur etwa zwei Monate lang ein Überbleibsel aus dem Mittelalter verdecken wird – den sehr einfallsreich betitelten sog. "Schönen Brunnen", der laut Kritikern ein "Wahrzeichen der Stadt" sei. Soweit so gut; was die Bürger jedoch dazu bringt, gegen die Baumaßnahmen für das vorübergehende Kunstwerk eine Protest-Menschenkette zu organisieren, massenhaft am Bauzaun herumzupöbeln, den Sicherheitsdienst zu attackieren, illegal auf das Gelände zu drängen und sich sogar ein Handgemenge mit der Polizei zu liefern, ist auf den ersten Blick unklar. Von "kalter Wut" spricht die Lokalpresse hinsichtlich des Mobs, der laut NN "mehrheitlich aus Rentnern" besteht. "Lieber sollen sie uns die Renten kürzen, als so einen Mist zu machen." bietet ein altes Ehepaar aufopfernd aber zusammenhanglos an. Bei solchen Angeboten braucht sich wohl auch niemand mehr fragen, wieso die "Bürger" bei Sozialkürzungen hingegen keineswegs massenhaft auf die Straße drängen. Vielleicht liegt der Hintergrund der Vehemenz der Proteste ja in der Bedeutung des "Schönene Brunnens" selbst. So weißt die NN auf die Figuren des Brunnens hin, denn
Entscheidend ist aber, dass in der obersten Reihe Moses mit den Gesetzestafeln erscheint, zusammen mit sieben Propheten des Alten Testaments. Diese acht Figuren nämlich stehen symbolisch für die höchsten Gebote der christlich-jüdischen Glaubenswelt
Quelle
Na wenn es um die Verteidigung des christlich-jüdischen Abendlandes geht...

Bisher bietet die Stadt dem Mob noch die Stirn, Oberbürgermeister Maly (SPD) verteidigte das Kunstwerk und die verantwortliche Kulturreferentin Lehner (CSU). Selbst die Opposition nutzte bisher den Volkszorn nicht für ihre Zwecke. So erklärte FDP-Stadtrat Utz Ulrich: Die „vermutlich zumindest teilweise von Rechtsradikalen gesteuerten“ und geschürten „unheimlichen Emotionen“ zeigten deutlich, wie notwendig eine „faire und offene, von Kenntnis getragene Auseinandersetzung um moderne Kunst in Nürnberg“ sei.

22 April 2006

Auf dem Weg zum Gottesstaat

Ursula von der Leyen, Mutter von sieben Kindern und nach konservativer Lesart dadurch ausreichend als Familienministerin qualifiziert, schmiedet eifrig an einem "Erziehungsbündnis". Gemeinsam mit den christlichen Kirchen will sie die Zukunft der Kindererziehung festlegen. "Christliche Werte" und "die zehn Gebote" sollen demnach zukünftig die Grundlage für die Aufzucht des nationalen Nachwuchses bilden, die Pädagogik hat ausgesorgt. Ob dann Moschee-anzünden, Homosexuellen-Jagd und Frauenfeindlichkeit zukünftig in Kindergarten und Grundschule auf dem Stundenplan stehen sollen, wurde noch nicht geklärt. Wie sich der mittelalterliche Backlash mit der angeblichen Trennung von Staat und Kirche in "der Demokratie" und einer säkulären Verfassung verträgt, ebenfalls. Zumindest das erste Gebot scheint perfekt in die aktuelle Debatte um "Integration" von MigrantInnen zu passen: "Du sollst keine anderen Götter haben neben mir" – sonst kommt der deutsche Mob vorbei und treibt ihn Dir aus.

GEW-Interview zum Erziehungsbündnis

14 April 2006

Medienterror gegen jugendliche Migranten

"Das ist Medienterror"
Interview mit der ehemaligen Schulleiterin der Rütli-Schule

taz: Frau Pick, in der Boulevardpresse heißt die Rütli-Schule nur noch "die Gewalt-Schule". Ist das die Schule, die Sie kennen?

Brigitte Pick: Nein und abermals nein. Vieles in den Medien ist massiv übertrieben. Auch der Polizeischutz, den Schulsenator Klaus Böger veranlasst hat, war völlig unsinnig. Wenn Pressevertreter Kinder mit Geld zum Steinewerfen animieren, wundert mich nichts mehr. Mir ist sogar zu Ohren gekommen, dass Reporter Steine mitgebracht haben sollen. Das ist keine Terrorschule. Das ist Medienterror.
weiter

Der Artikel erschien am 5.4.2006 in der taz Berlin lokal Nr. 7940, Seite 23

siehe auch:
Meinungsmache über die Rütli-Schule

10 April 2006

religiöse Fundamentalisten vs Meinungsfreiheit

Katholiken und CSU geißeln geplante Papst-Satire auf MTV

München (AP) Die geplante Papstsatire-Serie «Popetown» des Musiksenders MTV stößt bei Kirche und CSU auf scharfen Protest. Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) forderte am Montag «alle Christinnen und Christen in Deutschland auf», gegen die ursprünglich für die britische BBC produzierte Zeichentrickfilmserie zu protestieren. Aus der CSU kam zugleich der Ruf nach härteren Gesetzen zum Schutz religiöser Symbole.

Der CSU-Fraktionschef im Bayerischen Landtag, Joachim Herrmann, warf dem Sender vor, «auf den religiösen Gefühlen der Christen herumzutrampeln». Als «besonders geschmacklos» kritisierte Herrmann, die mit «Lachen statt rumhängen» überschriebenen Werbeanzeigen für die MTV-Serie, bei der eine Jesus-Figur mit Dornenkrone vor einem leeren Kreuz im Fernsehsessel sitze.

Es stelle sich hier die Frage, ob der Sender auch muslimische Imame auf die gleiche Weise darstellen würde, wie die katholischen Würdenträger der Zeichentrickserie, sagte der CSU-Politiker. «Es ist nicht hinnehmbar, dass der christliche Glaube besonders in den Schmutz gezogen wird, nur weil das bequemer und weniger gefährlich ist», fügte er hinzu. Herrmann forderte schärfe Gesetze, «um religiöse Inhalte und Symbole stärker als bisher strafrechtlich zu schützen».

Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken sprach von einer «widerwärtigen Verhöhnung der katholischen Kirche». Die Anzeige in einer Fernsehprogrammzeitschrift ziehe «den christlichen Glauben in gröbster Weise in den Schmutz». Zusammen mit der Zeichentrickserie sei dies ein direkter Angriff auf den christlichen Glauben: «Was für Millionen von Menschen in Deutschland von fundamentaler Bedeutung für ihr Leben ist, wird in infamer Weise lächerlich gemacht.» Man habe sehr heftige Reaktionen auf die Ankündigung der Serie erhalten und prüfe nun rechtliche Schritte, sagte ZdK-Generalsekretär Stefan Vesper der Nachrichtenagentur AP.

Vesper kritisierte neben der Form auch den Zeitpunkt der Werbung ausgerechnet zur Karwoche. «Eine solche Verhöhnung des Glaubens können sich Christen nicht gefallen lassen», sagte er. Schließlich verehrten am Karfreitag Millionen von Gläubigen das Kreuz. Sowohl die Werbung als auch die Serie seien Vorgänge, die man nicht sich sitzen lassen könne. «Das Kreuz und die Auferstehung sind existenzielle Fragen für den Christen. Das ist uns heilig», sagte der Generalsekretär der katholischen Laienorganisation.

MTV wies die Vorwürfe zurück. Sender-Sprecherin Marie-Blanche Stössinger erklärte in Berlin, «Popetown» arbeite mit den für Satire üblichen Stilmitteln wie Verfremdung, Überspitzung und Parodie. «Die Serie polarisiert das Publikum und spricht nicht jeden an, jedoch kommt es weder zu Verunglimpfungen noch zu Beleidigungen von Glaubensrichtungen», betonte sie. In keiner Weise werde dadurch eine Haltung von MTV Networks dem Christentum oder der katholischen Kirche gegenüber ausgedrückt.

Die Serie behandelt laut Werbung unter anderem «zwiespältige Kardinäle» und die «exzentrischen Gepflogenheiten eines 77-jährigen Papstes». Die britische BBC hatte sich im September 2004 nach massiven Protesten von Katholiken entschlossen, «Popetown» nicht zu zeigen.

Quelle
siehe auch: Verhöhnung oder Satire

Hoyerswerda in Pankow

Tagtäglich dröhnt es aus allen Medien: die Ausländer bedrohen uns, unsere Institutionen und unsere Kinder, sie sind kriminell, hassen uns Schweinefleischfresser, glauben an den falschen Gott und rotten sich in Gettos zusammen statt sich zu integrieren - kurzum: die Ausländer sind Deutschlands Unglück. Eine derartig umfassende und totale Hetzkampagne gab es zuletzt Anfang der neunziger Jahre, als die "Asylanten unsere Grenzen zu überfluten" drohten und das "volle Boot" Deutschland vor der "Durchrassung" (Stoiber gerettet werden mußten. Die Zeitungsüberschriften, die Parolen und die Bilder gleichen sich. Damals wie sauch letzten Freitag titelte die Bildzeitung: "Ausländerproblem: wie die Politik versagt hat" - und wie die Bürger damals auf das Postulat des "Versagens" der Poltiik in der Ausländerfrage reaagierten, ist glücklicherweise noch manchem bekannt: Die Bürger nahmen die Sache selber in die Hand, grillten die Ausländer bei lebendigem Leibe, und wer nicht aktiv mitmorden konnte packte seinen Liegestuhl vors Asylantenheim und feuerte bei Currywurst und Bier das Abfackeln der Untermenschen an. Das ganze hatte selbstverständlich auch ein Vorspiel. In jeder Stadt gab es Bürgerversammlungen und -initiativen, die sich für die Schließung von Asylbewerberheimen und die Deportierung der "Asylanten" einsetzten. Auch heute sind die Bürger Deutschlands wieder aktiv, um die Politik gegen die Ausländer zu unterstützen. In Heinersdorf (Berlin) spielen sich z.Z. ähnliche Szenen ab, wie damals in Hoyerswerda kurz vor dem Pogrom.

Genaueres in der Jungle World

09 April 2006

nicht nur ZDF fälscht "Ausländergewalt"

Nicht nur das ZDF läßt anscheinend gegen Geld die für die Ausländer-Hetze nötigen Bilder gegen Geld von Jugendlichen stellen. Auch gegen Spiegel-TV und die Bildzeitung gibt es inzwischen entsprechende Vorwürfe. Wer die Arbeit "unserer" Medien schon länger kritisch verfolgt, wird wohl kaum überrascht sein. Berichtet wird, was von der Chefetage verlangt wird, gleich ob es eine dazu passende Realität gibt oder nicht. Und wenn Bilder von bösen Ausländer-Kids gefragt sind, die "unsere Schulen" zerstören und unseren weißen Nachwuchs bedrohen, dann liefert die Journaille eben das.

Petition von Migrationsforschern: Gerechtigkeit für die Muslime

Gerechtigkeit für die Muslime!
Die deutsche Integrationspolitik stützt sich auf Vorurteile. So hat sie keine Zukunft. Petition von 60 Migrationsforschern


Von Mark Terkessidis und Yasemin Karakasoglu

Vor einiger Zeit hat der Berliner Stadtteil Neukölln eine Kampagne gegen die Zwangsheirat gestartet. Mit riesigen Plakaten wird über das Phänomen aufgeklärt und Beratung angeboten. Auf der Seite www.zwangsheirat.de wird zwar politisch korrekt darauf hingewiesen, dass die Zwangsheirat »in allen Kulturkreisen« anzutreffen sei, doch der Klick auf die Literaturhinweise spricht eine ganz andere Sprache. Dort findet man nämlich eine Liste der derzeit populären Sachbücher über den Islam – an erster Stelle Necla Keleks Die fremde Braut, dann Ich klage an von Ayaan Hirsi Ali und Große Reise ins Feuer von Seyran Ates. Bei diesen Werken handelt es sich um eine Mischung aus Erlebnisberichten und bitteren Anklagen gegen den Islam, der durchweg als patriarchale und reaktionäre Religion betrachtet wird. Zudem werden Romane empfohlen – alles Boulevard-Storys, in denen »muslimische Mädchen« ganz »authentisch« berichten, wie sie gequält und geschunden wurden. Schließlich finden sie ihr Refugium im Schoße der westlichen Zivilisation. Die Stoßrichtung dieser Literaturempfehlungen ist eindeutig: Es ist der unverbesserlich rückschrittliche Islam, der verantwortlich ist für Zwangsverheiratungen und andere Grausamkeiten. Als Gegenmittel hilft nur »Integration« in die deutsche, sprich westliche Gesellschaft.Muslimische Mädchen schwenken auf einer Jahresversammlung der muslimischen Reformgemeinde Ahmadiyya in Mannheim deutsche Fahnen© Ronald Wittek/dpa BILD
Dass diese Bücher mit der Autorität der städtischen Verwaltung empfohlen werden, ist kaum verwunderlich – schließlich hatte der ehemalige deutsche Innenminister Otto Schily höchstpersönlich das Buch von Necla Kelek den Lesern des Spiegels ans Herz gelegt. Allerdings sollte man annehmen, dass Verwaltung und Ministerium dem interessierten Publikum eine Literatur empfehlen, die eine aufklärende Wirkung hat, also eine Literatur, deren Aussagen wissenschaftlich abgesichert sind. Tatsächlich ist aber genau das Gegenteil der Fall – bei den erwähnten Büchern handelt es sich um reißerische Pamphlete, in denen eigene Erlebnisse und Einzelfälle zu einem gesellschaftlichen Problem aufgepumpt werden, das umso bedrohlicher erscheint, je weniger Daten und Erkenntnisse eine Rolle spielen.

Die Literatur ist unwissenschaftlich und arbeitet ganz offensichtlich mit unseriösen Mitteln. Necla Kelek beispielsweise hat vor etwa drei Jahren ihre Dissertation zum Thema Islam und Alltag vorgelegt, in der sie zu ganz anderen Ergebnissen kommt als in Die fremde Braut. Sie stellte damals fest, dass der Islam für die jungen Leute türkischer Herkunft vor allem ein Mittel der sozialen Identifikation sei – und weniger eine unhinterfragte religiöse Tradition. In den Islamvorstellungen der von ihr interviewten jungen Leute zeige sich eine Modernisierung des Islam – eine Anpassung an die hiesigen Lebensumstände und eine Subjektivierung des Hergebrachten.

Dass sie in Die fremde Braut das genaue Gegenteil behauptet, scheint für Necla Kelek kein Problem zu sein. Sie verwendet sogar Interviewmaterial aus ihrer früheren Untersuchung – allerdings wird es nun neu gedeutet. 2002 schrieb sie: »Das Bekenntnis zum Muslim-Sein darf im Regelfall nicht als traditionelle Selbstverortung missverstanden werden.« 2003 werden Interviewaussagen von »Mete« und »Emil«, die aus der Untersuchung Islam im Alltag stammen, völlig anders interpretiert. Das Menschen- und Weltbild des Islam, das den Einzelnen der Gemeinschaft und dem Willen Gottes unterwerfe, werde von den Jugendlichen überhaupt nicht hinterfragt, schreibt sie. Und weiter: »Es kann auch gar nicht infrage gestellt werden, weil der Islam als Gesetzesreligion gottgegeben ist.

Dieses Kulturmuster prägt das Handeln der muslimischen Migranten in Deutschland bis in den letzten Winkel ihres Alltags – ihr Leben, ihr Verhalten, die Erziehung der Kinder. Und diese Werte haben mit den Werten und Normen der deutschen Mehrheitsgesellschaft nicht viel gemein.«

Offenbar wurden hier die eigenen – und zwar wissenschaftlich abgesicherten – Erkenntnisse mutwillig verbogen, um am Buchmarkt einen Erfolg zu landen und sich dabei selbst als authentischen und vorgeblich wissenschaftlich legitimierten Ansprechpartner für alles, was mit »den Türken« oder »dem Islam« zu tun hat, in Szene zu setzen. Das Kalkül geht auf, von der taz bis zur ZEIT wird Kelek gern konsultiert, wenn es darum geht, »türkische« oder »islamische« Verhaltensweisen zu deuten. Sie darf gewalttätige Übergriffe türkischer Fußballnationalspieler gegen die Schweizer Mannschaft unreflektiert auf die islamische Religionszugehörigkeit der türkischen Spieler zurückführen oder Vandalismus von jungen Migranten nach französischem Vorbild mit Hinweis auf das Unvermeidliche der »türkisch-islamischen Kultur« auch für Deutschland prognostizieren. Dabei sind die »Analysen« nichts mehr als die Verbreitung billiger Klischees über »den Islam« und »die Türken«, angereichert durch schwülstige Episoden aus Keleks Familiengeschichte.

Dass Politik mithilfe der Medien zur Verbreitung solch unseriöser Literatur beiträgt, um eigene integrationspolitische Fehler im Umgang mit dem Thema Zuwanderung zu verschleiern – diese Entwicklung beobachten wir mit Besorgnis. Wir, die Verfasser und Unterzeichner dieses offenen Briefes, sind Forscher und Forscherinnen, die zu unterschiedlichsten Facetten des Themas Migration gearbeitet haben – zu Generationenbeziehungen, Zugehörigkeit, Islamvorstellungen, Lebensentwürfen, Ethnizität und Ethnisierung, Rassismus und Identitätsentwicklung.
In den letzten Jahren hat sich in Deutschland eine quantitativ und qualitativ-empirische Migrationsforschung entwickelt, die international anschluss- und konkurrenzfähig ist. Wenn auch Unterschiede existieren, was die theoretische Rahmung der Befragungsergebnisse betrifft, so gibt es doch ganz erstaunliche Übereinstimmungen in den Ergebnissen unserer Forschung. Im Großen und Ganzen werden die Ergebnisse gestützt, zu denen auch Necla Kelek gekommen ist, als sie noch wissenschaftlich vorgegangen ist.

In der »zweiten Generation« muslimischer Einwanderer erfährt der Islam eine komplizierte Neuinterpretation, die sowohl mit dem familiären Umfeld als auch mit den Reaktionen der Mehrheitsgesellschaft interagiert. Diese oft sehr subjektive Neuinterpretation lässt sich nicht einfach über den Kamm des Patriarchalen und Rückschrittlichen scheren. Nun heißt das keineswegs, dass es keine Zwangsheiraten oder keine »Ehrenmorde« gibt und dass die Gesellschaft nicht aufgerufen ist, dagegen etwas zu unternehmen. Dafür gibt es bekanntlich Gesetze.
Arrangierte Ehen sind unter anderem die Folge von »Heiratsmärkten« zwischen Herkunfts- und Einwanderungsländern. Solche »Märkte« muss man nicht begrüßen, aber man sollte ihren Entstehungskontext begreifen: Sie sind das Ergebnis der Abschottungspolitik Europas gegenüber geregelter Einwanderung. Wenn es keine transparenten Möglichkeiten zur Einwanderung gibt, nutzen die Auswanderungswilligen eben Schlupflöcher. Das ist ein politisches und kein moralisches Problem. In diesem Sinne macht es keinen – schon gar nicht wissenschaftlichen – Sinn, solche Phänomene pauschal »dem Islam« zuzuschreiben, der dann ebenso pauschal der westlichen Zivilisation gegenübergestellt wird.
Dass der ehemalige Innenminister Necla Keleks Buch bespricht, dass sie für ihre in höchstem Maße unseriöse Arbeit den Geschwister-Scholl-Preis erhält und dass sie eine gern gesehene Beraterin im Bundesamt für Migration und Flüchtlinge ist; dass große Teile der Verwaltung, Ministerien und Medien lieber auf unseriöse Pamphlete zurückgreifen, während die differenzierte wissenschaftliche Forschung kaum wahrgenommen wird – diese Entwicklung ist in der Tat besorgniserregend. In der öffentlichen Diskussion führt die Ignoranz gegenüber der Wissenschaft nicht nur zu ungenauen und vorurteilsbeladenen Vorstellungen über den Islam und die Migranten, sondern auch zu einer Verengung des Themenspektrums. Die Öffentlichkeit befasst sich unverhältnismäßig viel mit der muslimischen Minderheit, während kaum über alltägliche Diskriminierung, die Selbstentwürfe von »anderen Deutschen« oder die Probleme auch von nichtmuslimischen Migranten im Bildungsbereich gesprochen wird. Derweil haben in manchen Bundesländern bereits 40 Prozent der Schüler Migrationshintergrund. Es wird also Zeit, eine rationale Diskussion über die zukünftige Gestaltung der Einwanderungsgesellschaft zu führen. Doch das kann man nicht auf der Grundlage von Boulevardliteratur tun, sondern indem man sich auf Erkenntnisse stützt, die auf rationale Weise gewonnen wurden.

Mark Terkessidis ist Psychologe, Pädagoge und lebt als freier Autor in Köln. Yasemin Karakasoglu ist Professorin für Erziehungswissenschaften in Bremen, Fachgebiet Interkulturelle Bildung
* Necla Kelek hat auch sowohl für die ZEIT als auch ZEIT online Artikel verfasst.


Diese Petition haben unterzeichnet:

Liane Aiwanger, Prof. Dr. Georg Auernheimer, Hayrettin Aydin M.A., Prof. Dr. Sigrid Baringhorst, Dipl.Päd. Sonja Bandorski, Dipl.-Sozialarbeiterin Isabel Basterra, Prof. Dr. Johannes Bastian, Robin Bauer, Prof. Dr. Ursula Boos-Nünning, Prof. Dr. Christoph Butterwegge, Ibrahim Cindark, Prof. Dr. Helene Decke-Cornill, Dr. Christoph Fantini, Schahrzad Farrokhzad, Prof. Dr. Hannelore Faulstich-Wieland, Prof. Dr. Helena Flam, Dr. Sara Fürstenau, Prof. Dr. Klaus F. Geiger, Prof. Dr. Ingrid Gogolin, Heike Mónika Greschke, Dr. Ursula Günther, Dr. Encarnation Gutierrez Rodriguez, Dr. Maria Hallitzky, Prof. Dr. Franz Hamburger, Prof. Dr. Gudrun Hentges, Prof. Dr. Leonie Herwartz-Emden, Prof. Dr. Havva Engin, Dipl.-Päd. Matthias Hofmann, Dr. Merle Hummrich, Dr. phil. Dipl.-Päd. Telse A. Iwers-Stelljes, Dr. Margarete Jäger, Prof. Dr. Siegfried Jäger, Prof. Dr. Barbara John, Elli Jonuz, Dipl.-Psych. Birsen Kahraman, Prof. Dr. Annita Kalpaka, Serhat Karakayali, Prof. Dr. Gritt Klinkhammer, Christoph Kodron, Dr. Annette Kracht, Dipl.-Psych. Angela Kühner, Dr. Susanne Lang, Dr. Rosa Maria Jiménez Laux, PD Dr. Rudolf Leiprecht, Prof. Dr. Ingrid Lohmann, PD Dr. Helma Lutz, Dipl.-Soz. Melanie Mahabat Bahar, PD Dr. Paul Mecheril, Dipl.-Päd. Claus Melter, Dipl.-Päd. Stephan Münte-Goussar, Prof. Dr. Ursula Neumann, Dr. Heike Niedrig, Dr. Ulrike Ofner, Mag. Dr. Nikola Orning, Dipl.-Psych. Berrin Özlem Otyakmaz, Prof. Dr. Karl-Josef Pazzini, Dr. Matthias Proske, Dr. Regina Römhild, Prof. Dr. Hans-Joachim Roth, Dr. Rosemarie Sackmann, Jörn Schadendorf, Dipl.-Päd. Anne Schondelmayer, Inga Schwarz, Uschi Sorg, Dr. Ugur Tekin, Prof. Dr. Dietrich Thränhardt, Dr. Anja Weiß, PD Dr. Erol Yildiz, Cigdem Yoksulabakan.

Aus:
DIE ZEIT 01.02.2006 Nr.6
http://zeus.zeit.de/text/2006/06/Petition

07 April 2006

Rütli-Schule: gestellte Gewalt-Szenen fürs Fernsehen

Kein Fernsehsender läßt es sich zur Zeit entgehen, irgendwie ausländisch und der HipHop-Kultur anhängend aussehende Jugendliche bei angeblichen Gewaltszensen oder beim Schreien obszöner Worte auf Rotation zu senden. Dazu stets die obligatorische Stimme aus dem off: "Szenen wie diese zeigen die alltägliche Ausländergewalt in...". Grundsätzlich sind die Szenen dabei erstmal zum größten Teil harmlos, und würden in einem anderen Kontext niemand vom wegzappen abhalten. Jugendliche, die unschöne Wörter benutzen? Was für ein Skandal! Selbstverständlich würde sich auch niemand groß darüber aufregen, wenn es sich bei den Schreihälsen nicht um Migranten-Kinder handlen würde. Doch was ist mit den "Gewalt-Szenen"? An die Brutalität einer durchschnittlichen Kirchweih-Schlägerei unter braven deutschen Buben kommen sie jedenfalls lange nicht heran. Und selbst die im TV gezeigten, teilweise ungewollt komischen Szenen, müssen offenbar noch gefälscht werden:

Schüler erhielt Geld für Gewaltszenen

Jugendliche prügeln sich, eine Kamera filmt das Geschehen. Der Leiter einer Hamburger Schule erhebt jetzt schwere Vorwürfe: Ein Fernsehteam im Auftrag des ZDF soll Schülern Geld gezahlt haben, damit sie die Gewaltszenen nachstellen.

Für einen ZDF-Film über Gewalt in einem Hamburger Problemviertel wurden 300 Euro an einen beteiligen Jugendlichen und eine Familie gezahlt. „Die Produktionsfirma hat an einen jugendlichen Informanten eine Aufwandsentschädigung in Höhe von 200 Euro gezahlt“, erklärte ZDF-Programmbereichsleiter Norbert Lehmann am Donnerstag auf Anfrage. Die Familie eines weiteren Jugendlichen habe 100 Euro bekommen.

Lehrer der Gesamtschule Mümmelmannsberg hatten in der Sendung „ZDF-Reporter“ Schüler wiedererkannt und sich beklagt. Dem „Hamburger Abendblatt“ sagte Mathematiklehrer Volker Krane über die gezeigten Schüler: „Ich kenne viele seit Jahren. Die sind nicht so, wie im Film dargestellt.“ Laut Zeitung fügte der Lehrer hinzu: „Hier sind Jugendliche zu ihrem eigenen Schaden vom ZDF instrumentalisiert worden“. Nach dem Film werde es schwerer, einen Praktikumsplatz zu finden, sagte er.

Das „Hamburger Abendblatt“ sprach nach eigenen Angaben mit einem der beteiligten Schüler. Demnach sagte der Junge über den Film: „Die haben uns richtig gekauft (...) Wir sollten so tun, als würden wir uns prügeln.“
...

aus dem Handelsblatt vom 06.04.06

siehe auch:
Süddeutsche

06 April 2006

Rütli und was man draus macht

"Man sollte aufpassen, daß man eine soziale Frage, eine Klassenfrage, nicht zur Rassenfrage macht."

Brigitte Pick, ehemalige Leiterin der Rütli-Schule in Berlin-Neukölln, in der Bild-Zeitung vom 04.04.06

04 April 2006

Bayern: Kampf gegen junge Ausländer

Bußgeld für "Integrations-Verweigerer" in Bayern

Berlin (AFP) - Bayern führt einen Strafkatalog ein, mit dem vor allem junge ausländische Familien zur besseren sprachlichen Integration gezwungen werden sollen. Ausländische Eltern von Kindern im letzten Kindergartenjahr, die sich den ab September geplanten Sprachtests und Deutschförderkursen für ihren Nachwuchs verweigern, müssten ein Bußgeld zahlen, kündigte Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) an. Weitere Unionspolitiker sprachen sich für einen Integrations-Gipfel aus, Niedersachsen kündigte eine Bundesratsinitiative für mehr Deutschunterricht an.

Nach dem Beschluss des bayerischen Kabinetts wird im letzten Kindergartenjahr vor der Einschulung ein Sprachtest in Bayern Pflicht. Kinder, die den Test nicht bestehen, müssen im letzten Kindergartenjahr eine Deutschförderung im Umfang von 160 Stunden mitmachen.

Stoiber kündigte an, dass der CSU-Vorstand am Wochenende weitere Initiativen zur Bestrafung von fehlendem Interesse an der Integration ergreifen werde, die über den Schulbereich hinausgingen. "Bei Verweigerung der Integration müssen Sanktionen möglich sein, von Sozialleistungskürzungen bis hin zur Ausweisung." Die Initiativen sollten bei der Überarbeitung des Zuwanderungskompromisses umgesetzt werden.

Niedersachsen will mit der Bundesratsinitiative, die bis zur Sommerpause eingebracht werden soll, mehr Deutschunterricht für ausländische Jugendliche erreichen. Der im Zuwanderungsgesetz festgelegte Sprachunterricht müsse für junge Menschen bis 27 Jahre von 600 auf 900 Stunden erhöht werden, sagte der niedersächsische Innenminister Uwe Schünemann (CDU) der Tageszeitung "Die Welt".

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Peter Götz schloss sich den Forderungen nach einem Integrationsgipfel unter Einbeziehung von Ländern und Kommunen an. "Wir brauchen gemeinsame Ziele mit klarer Zeitperspektive", sagte er.

Der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen im Bundestag, Volker Beck, bezeichnete die Forderungen nach einem Integrationsgipfel vor dem Hintergrund der Haushaltspolitik der Bundesregierung als zynisch. "Es ist verheerend, dass die Koalition die Streichung von einem Drittel der Mittel für Integration im Bundeshaushalt vorsieht", sagte er.

Beck forderte ein Programm für die nachholende Integration und ein Kindergartenpflichtjahr. "Sprachtests bei der Einschulung allein greifen zu kurz", sagte er. Auch die jugendpolitische Sprecherin der Linken, Diana Golze, kritisierte die Mittelkürzungen für Sprachkurse.

Quelle: yahoo-news

"Gewalt" und "Terror" rund um die Rütli-Schule

Seit das Kollegium der Berliner "Rütli-Schule" wegen "anarchischer Zustände" in einem Brief an den Senat die Selbstauflösung forderte, steht Deutschland Kopf. Sofort wurde das Scheitern der Berliner Hauptschule auf den Anteil an Kindern mit migrantischen Vorfahren geschoben, der angeblich 80% der Schülerschaft ausmacht. Jedoch wurde von den Medien nicht etwa skandalisiert, dass in einem dreigliedrigen Schulsystem die ärmsten der Armen eben in die unterste Schublade sortiert werden. Auch wurde nicht kritisiert, dass die so einsortierten im Erwerbsleben keinerlei Chancen haben sollen, schlicht überflüssig sind, und deshalb diese Schulen nur als Verwahranstalten benutzt werden. Auch fand es die Journalistenmeute nicht weiter schlimm, dass Kinder mit Migrationshintergrund grundsätzlich in die Unterklasse einsortiert werden und nicht einmal die Chance auf ein nach deutschen Maßstäben "normales" Leben bekommen. Statt dessen wurde gnadenlos rassifiziert: Dass in Verwahranstalten für die Überflüssigen nichts gelernt wird, liegt nicht etwa am Charakter und Zweck dieser "Schulen" erklärt die Journaille., sondern am hohen "Ausländeranteil". Die "Ausländer" benehmen sich angeblich einfach schlechter als Deutsche, sind aggressiv, brutal und kriminell. So wird selbst die Diskriminierung der Menschen mit Migrationshintergrund noch gegen sie gewandt: Dass man Ausländer nicht in die Mittel- und Oberschichtsschulen läßt, sondern sie in der Unterschichts-Version gettoisiert wird den Opfern nun auch noch zum Vorwurf gemacht: sie sind für den Deutschen Geschmack zu viele, die Konzentration in den Gettos wird als "Zusammenrottung" gegeißelt, "die" integrieren sich nicht genug, usw. Und damit hat man nun wieder einen "Grund" parat, um die Schraube der Diskriminierung noch weiter anzuziehen. Geld sparen, indem man Armen die Unterstützung kürzt, ist sowieso Regierungsprogramm – also fängt man am besten bei den unbeliebtesten und wehrlosesten an.

NGZ-Online:
Stoiber verlangte darüber hinaus Sanktionen für alle Ausländer, die sich der Integration verweigern. Dies müsse von der Kürzung von Sozialleistungen bis hin zum Entzug der Aufenthaltserlaubnis reichen: „Wer sich nicht in Deutschland integriert, muss unser Land wieder verlassen und in seine Heimat zurückgehen“, unterstrich er. Deutschland dürfe Integration nicht nur fordern, sondern müsse sie auch durchsetzen.
...
Brandenburgs CDU-Innenminister Jörg Schönbohm regte eine Art „Schnupperknast“ für jugendliche Gewalttäter an. Diese sollten für ein paar Tage in einem Jugendgefängnis unter Arrest gestellt werden. Der Berliner CDU-Generalsekretär verlangte, das Kindergeld für gewalttätige Jugendliche zu kürzen oder ganz zu streichen. Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) forderte, besonders aggressive Schüler künftig in Internaten unterzubringen.

03 April 2006

NPD-Hetze gegen Moscheebau in Berlin-Pankow

In Berlin Heinersdorf tobt seit Wochen der Volkszorn. Grund: Muslime wollen eine Moschee errichten. "Die gehören nicht hierher!" heißt es seitdem in Heinersdorf, und die an der Spitze gegen die Moslems marschierenden und hetzenden bürgerlichen Politiker haben den Mob schon kaum mehr unter Kontrolle. So wurde etwa eine Bürgerversammlung zum Thema vor den aufgebrachten "Bürgern" durch die Polizei geschützt werden. Auch die NPD will vom rassistischen Klima profitieren, und meldete für Gestern eine Demo gegen den Moscheebau an. Obwohl die NPD und die "Bürger" mit den gleichen Parolen mobil machen, blieben letztere der Demo der Kleinstpartei größtenteils fern. Mag man die Ideologie auch teilen, ist Aufzug und Image der NPD nicht jedermanns Sache.

Junge Welt zur NPD-Demo:
Etwa 600 Menschen protestierten am Samstag mittag im Berliner Bezirk Pankow gegen einen Aufzug der neofaschistischen NPD, die mit rund 150 Anhängern aufmarschiert war. Die Neonazis hetzten gegen den Neubau einer Moschee, die die muslimische Ahmadiyya-Gemeinde im Ortsteil Heinersdorf errichten will (jW berichtete). Die Polizei war mit 500 Beamten vor Ort. Nach Beendigung des Aufmarschs beteiligten sich etwa 50 Antifaschisten an einer spontanen Demonstration durch Heinersdorf.

28 März 2006

Einbürgerungstest

"Zu den grundgesetzlich garantierten Freiheiten gehört auch die, sich einen Dreck für vaterländisches Bildungsgut zu interessieren. Darin ist der Text in sich verfassungswidrig."

Friedrich Küppersbusch in der tageszeitung vom 27.03.06 zu den von CDU/CSU promoteten Einbürgerungstests

27 März 2006

Kontinuitäten deutscher “Religionskritik”

Von einst …

Stürmer-Ritualmordlegende

… bis jetzt …

Die KONKRET instrumentalisiert ein Bild des Aschura-Fests für ihre antiislamische Hetze

Für ihr Cover im April 2004 instrumentalisierte die KONKRET ein Bild des Aschura-Fests, um an die in der jüdischen Verfolgungsgeschichte dauerpräsenten Ritualmordphantasien anzuknüpfen, die zuletzt noch einmal vom Stürmer wiederbelebt worden waren. Die eigentliche Bedeutung dieser Szene, die eine schiitische Trauerprozession darstellt, wurde den Lesern auf dem Titelbild verschwiegen:

Während Aschura gedenken die Schiiten öffentlich der Schlacht von Kerbela im heutigen Irak. In dieser Schlacht wurden am 10. Tag des Monats Muharram Husain, der dritte Imam der Schiiten, sowie fast alle männlichen Verwandten im Krieg getötet. Die Rituale des Aschura enthalten Erzählungen (Rouza-chwani), Trauerprozessionen in Trauerkleidung und mit Selbstgeißelung (Sinazani) oder auch die kultische Inszenierung des Martyriums Husains (Taziya). Dabei steht an jedem Tag ein anderes Ereignis der Schlacht im Mittelpunkt der rituellen Handlungen. Die öffentliche Trauer ermöglicht es den Gläubigen am Leiden Husain teilzuhaben und somit einen Teil ihrer individuellen Sünden abzubüßen.

Als Höhepunkt dieser Rituale ritzen sich Gläubige die Stirn mit Rasierklingen auf oder verletzen sich mit Schwertern. Diese exzessive Form wird jedoch längst nicht von allen schiitischen Religionsgelehrten gutgeheißen.


Quelle: lysis

22 März 2006

Europa einig im Moslem-Hass

Jahrzehntelang beschwerten sich Kommentatoren aller Medien regelmäßig: die Europäer entwickeln einfach kein Gemeinschaftsgefühl und vor allem keine gemeinsame Identität. "Euroskeptizismus" und Ablehnung der EU herrschten vor. Doch jetzt scheint der Königsweg gefunden. Ambesten läßt sich eine Identität eben doch am Gegenbild entwickeln. Und seit man an jeder Ecke "europäische Werte" oder gleich das "christliche Europa" gegen die islamische Gefahr verteidigt, gewinnt Europa beständig mehr Anhänger. Das Schüren von Moslemhass treibt die erupoäische Einigung an wie nichts zuvor.

von yahoo-news:

Tragen islamischer Kleidung in britischen Schulen verboten
Mittwoch 22. März 2006, 11:48 Uhr

London (AFP) - Das Tragen eines den ganzen Körper verhüllenden Gewandes ist an britischen Schulen nicht erlaubt. Das entschieden am Mittwoch die höchsten britischen Richter und gaben damit einer Oberschule in Luton nördlich von London Recht, die eine Schülerin deshalb vom Unterricht ausgeschlossen hatte. Shabina Begum hatte sich im September 2002 geweigert, die Schuluniform zu tragen und darauf bestanden, in der so genannten Dschalaba zum Unterricht zu kommen. Deshalb schloss die Schule sie aus, wogegen die heute 17-jährige Begum klagte.

In erster Instanz verlor sie, das Berufungsgericht dagegen gab ihr im März vergangenen Jahres Recht. Dagegen klagte wiederum die Schule vor den Law Lords des Oberhauses, Großbritanniens höchstrichterlicher Instanz, und bekam Recht. Der Fall erregte im Königreich großes Aufsehen, nicht zuletzt deshalb, weil Begum im Berufungsprozess von der Frau von Premierminister Tony Blair, der Rechtsanwältin Cherie Blair, vertreten worden war.

21 März 2006

Kein Wahlkampf auf dem Rücken von Migrantinnen und Migranten!Kein Wahlkampf auf dem Rücken von Migrantinnen und Migranten!

Aufruf von 50 Künstlern, Gewerkschaftern, Migrationsforschern und Politikern unterzeichneten Aufruf vom 8. März zu den bevorstehenden Wahlen:

Kein Wahlkampf auf dem Rücken von Migrantinnen und Migranten!

Der zu Jahresbeginn in Baden-Württemberg eingeführte »Gesinnungstest« für Einbürgerungsbewerberinnen und -bewerber muslimischen Glaubens führte zu einer breiten öffentlichen Diskussion. Es ist zu befürchten, daß die Debatte eine weitere Ausgrenzung von Menschen muslimischen Glaubens zur Folge haben wird.

Der Fragebogen und die damit verbundene Diskriminierung und Stigmatisierung gibt besonders im Hinblick auf die bevorstehenden Landtagswahlen in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern und die Kommunalwahlen in Hessen und Niedersachsen Anlaß zur Sorge.

Wenn Parteien und Politiker bei Wählerinnen und Wählern weit verbreitete Vorurteile und ablehnende Haltungen bewußt bedienen, um Wahlerfolge zu erzielen, fügen sie der Demokratie und dem friedlichen Zusammenleben in der Bundesrepublik schweren Schaden zu.

Die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner dieses Aufrufs fordern Politiker und Parteien deshalb dazu auf, die bevorstehenden Kommunal- und Landtagswahlkämpfe nicht auf dem Rücken von Migrantinnen und Migranten auszutragen.

Wir, die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner dieses Aufrufs, fordern ferner die Rücknahme des Fragebogens in Baden-Württemberg, der vorherrschende Ressentiments gegen Menschen muslimischen Glaubens bedient.

Zu den Unterzeichnern zählen u. a.: Sevim Dagdelen, Mitglied des Bundestages; Humanistische Union e.V.; Frank Bsirske, ver.di-Bundesvorsitzender; Ulrich Thöne, GEW-Bundesvorsitzender; Feridun Zaimoglu, Schriftsteller; Peter Sodann, Schauspieler; Rolf Becker, Schauspieler und Regisseur; Roger Willemsen, Journalist und Schriftsteller

Quelle

13 März 2006

Der Krieg des deutschen Spießbürgers

"Der Islam" ist das Feindbild um das deutsche Volk zu einen, alle Widersprüche und Interessenkonflikte zu verdecken und die Massen hinter den Karren der Elite zu spannen. Moslem-Hass ist ein integratives Angebot an alle weißen Deutschen: Egal ob arm oder reich, Arbeiter oder Kapitalist, links oder rechts, Frau oder Mann: Jeder hat in diesem Land das Recht den Grund für die Unterdrückung der eigenen Bedürfnisse auf "den Moslem" zu projizieren. Für den Rechten ist er der hungerleidende Revoluzzer, für den AArbeiter der faule "Ölscheich", für die Feminstin der Frauenunterdrücker und für den Normal-Mann der auszulöschende Konkurrent um die Herrschaft über die Frau. Die Beispiele lissen sich endlos weiterführen. Hier nun ein Text zum Thema linker Moslem-Hass.

von fluchschrift.net:

Seit in Deutschland mit dem Angriff auf den Islam enorm gepunktet werden kann, kommt kein Hetzbrief der Bahamas-Linke ohne eine Attacke gegen den Islam aus. Das ist so sicher, wie das Amen in der Kirche.
Damit lässt sich heutzutage im rassistischen Konsens ordentlich Stimmung machen, ohne als hundsgewöhnlicher Rassist gescholten zu werden. Mehr noch: bei dieser Pogromstimmung kann sich diese Linke wieder als Avantgarde fühlen, ein Gefühl, auf das sie jahrzehntelang verzichten musste. Deshalb dient ihre “Aufklärung” der denunziatorischen Agitation, ihre "Theorie" der hetzerischen Propaganda, ihre “Vorschläge” dem rassistischen Angriff.


weiter

12 März 2006

Iran von der WM ausschliessen?

from Indymedia:

Schon vor einigen Monaten begannen Politiker der etablierten Parteien damit die Öffentlichkeit mit Forderungen nach dem Ausschluss der iranischen Fußballmannschaft von der WM in Deutschland zu penetrieren. Grund für den Ausschluss soll nach Angaben von Verfechtern wie z.B. Grünen-Mitglied Beck die Äußerungen des iranischen Staatschefs Mahmud Ahmadinedschad sein. Was die Fußball-Elf Irans konkret verbrochen habe, um von der WM wie Kriminelle ausgeschlossen zu werden, konnten weder Beck noch Cohn-Bendit oder einer ihrer Unterstützer erklären.

Wie kommt man auf die abwegige Idee, ausgerechnet die iranischen Fußballer, die in ihrer Heimat wegen ihrer kurzen Hosen und ihres Faibles für einen westlichen Sport sowieso nicht den besten Ruf genießen, zu sanktionieren? Meinten es die Kulturkämpfer von CDU bis Grünen mit ihrem Geschwätz von den "westlichen Werten" ernst, müßten sie doch die Teilnahme des iranischen Teams an der internationalen Fußball-WM eigentlich erst recht unterstützen. Aber "westliche Werte" werden eben nur hervorgekramt, wenn es gilt, innenpolitischer Militarisierung oder Kriegsvorbereitungen ein ideologisches Fundament zu bereiten. Wollten Beck&Co tatsächlich Staaten für ihre Verbrechen ausschließen, müßte die WM wohl ausfallen. Das US-Team etwa müßte wegen Hundertausenden Toten und Gefolterten im Irak zu Hause bleiben, die deutsche Mannschaft würde etwa wegen der Bombardierung Jugoslawiens oder der Arbeit ihrer Todesschwadronen in Afghanistan gesperrt. Jeder Staat terrorisiert, wenn nicht andere Bevölkerungen, dann zumindest seine eigene. Eine weiße Weste hat da wohl kaum jemand. Also was soll der ganze Unsinn? Was steht denn konkret hinter der Forderung, wegen Ahmadinedschad iranische Fußballer und Fans zu bestrafen? Offensichtlich ist für Leute, die so etwas fordern, ein Iraner wie der andere. Die iranische Bevölkerung, ja selbst in Deutschland lebende Bundesliga-Fußballer iranischer Herkunft, werden als homogenes Kollektiv halluziniert, bei dem jedes Individuum nur ein Exemplar des bestimmten Typs darstellt. So ist es also gleich, welcher Iraner einem mißfällt, man kann jedem in die Fresse schlagen und trifft immer "den Richtigen". Das ganze nennt sich ganz ordinär Rassismus und sollte endlich auch öffentlich so bezeichnet werden.
Glücklicherweise folgte die FIFA den rassistischen Forderungen in keinster Weise.

02 März 2006

neue Antiislamisten-Partei

Die Seite "Die Antiislamisten(c)" gehört der "AVE – Antiislamische Vereinigung in Europa(c)", die sich selbst als

*pro-amerikanisch - pro-israelisch - pro christlich - pro jüdisch*

bezeichnet. "Die Antiislamisten(c)" warnen uns erwartungsgemäß vor der
"fortschreitenden Islamisierung Europas":


"Die Antiislamisten wehren sich gegen den islamistischen Imperialismus. Wir wollen nicht, dass unsere Kinder und nachfolgenden Generationen sich zwangsweise einem Kalifat unterwerfen müssen, das sie aus freiem Willen nach Vernunft, Herz und Verstand zurecht ablehnen. Dafür stehen die Antiislamisten politisch und juristisch ein. Ebenso kämpfen die Antiislamisten mit Entschiedenheit für die Würde der Frauen. Denn so, wie eine menschliche Gesellschaft die Frau achtet und respektiert, so gut ist sie auch. Das ist die feste Überzeugung der Antiislamisten, die nach Recht und Gesetz die Würde der Menschen und das christliche Erbe Europas verteidigen..."

Um damit erfolgreich sein zu können, möchten "Die Antiislamisten(c)" eine neue Partei gründen: Die "CVE-Europapartei(c)" bzw. "Christlich vereintes Europa" und rufen zum sofortigen Beitritt auf. Sollten sich genügend Heimatschützer finden, gibt es endlich "Eine Chance für eine heile und freie Welt!".

27 Februar 2006

Presse- & Meinungsfreiheit vs religiöse Intoleranz

Jörg Schönbohm, Innenminister von Brandenburg, läßt seiner religiösen Intoleranz in einem Interview mit der FAS freien Lauf:

Bei der Frage nach den Grundlagen der westlichen Kultur sei das Christentum "ein ganz wichtiger Bestandteil", sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Während sich der Islam in vielen Regionen der Welt immer mehr verfestige, fehle es in der christlichen Welt vielfach an einem festen Fundament.

Der brandenburgische Innenminister stellte in diesem Zusammenhang auch den Umgang mit dem Christentum in Frage. "Nehmen Sie nur die inzwischen völlig hemmungslose Beleidigung und Entstellung christlicher Werte in den Medien, auf den Bühnen - alles im Namen der Meinungs- und Kunstfreiheit", sagte Schönbohm und fügte hinzu: "Wir wollen immerzu tolerant sein, drohen aber Toleranz mit großzügigem Gewährenlassen zu verwechseln."


Die größte deutsche Kino-Kette CinemaxX hat inzwischen den erfolgreichen türkischen Actionfilm "Tal der Wölfe" abgesetzt. Christliche Politiker wie beispielsweise Edmund Stoiber, Jörg Schönbohm oder der Innenminister Baden-Württembergs, Heribert Rech, hatten die sofortige Absetzung des Films gefordert. Grund: der Film zeige christliche US-Besatzungssoldaten beim Ermorden und Foltern irakischer Zivilbevölkerung und führe nicht ausschließlich Moslems als Täter vor.

Glücklicherweise liessen sich nicht alle Kino-Betreiber von den christlichen Fundamentalisten einschüchtern:

"Der umstrittene türkische Film «Tal der Wölfe» wird trotz der Bedenken der bayerischen Staatsregierung weiter gezeigt. Vertreter der Kino-Branche lehnten am Freitag beim ersten «Runden Tisch» zu diesem Thema in der Münchner Staatskanzlei einen Stopp des Streifens ab." schreibt die Freie Presse

25 Februar 2006

Meinungs- und Pressefreiheit á la "freier Westen"

Die Hauptdarsteller des kritischen Dokumentarfilms "The Road to Guantanomo", der die Inhaftierung und Folterung dreier unschuldiger Engländer thematisiert, sind an einem englischen Flughafen von Polizisten illegal festgehalten, beleidigt und bedroht worden. Außerdem wollte man sie ausfragen, ob sie weitere kritische Dokumentarfilme planen.

mehr auf Indymedia

24 Februar 2006

WM: iranische Fans sollen draußen bleiben

von www.anti-wm.blog.com

Günther Beckstein, christlicher Fundamentalist der bayerischen Einheitspartei, hat ja schon vor ein paar Wochen eine "Spezialbehandlung" für iranische Fans gefordert. Anders als alle anderen Fußballfans sind die nämlich aufgrund ihrer Herkunft genetisch zur Boshaftigkeit verdammt. Anstatt - wie es z.B. Grundgesetz und Menschenrechte fordern - alle Fans gleich zu behandeln, sollen für die iranischen Fans Sondergesetze gelten. Das fordert zumindest der Vizevorsitzende des parteipolitisch organisierten deutschen Christentums, Wolfgang Bosbach. Potentielle religiöse Fans sollen dann nach ihrem äußeren Eindruck begutachte und präventiv an der Einreise gehindert werden. Die Kriterien? Liegt im Auge des betrachtenden BGSlers oder Polizeibeamten. Wer nicht gefällt, fliegt raus. Und da "die" ja eh alle irgendwie islamisch aussehen mit ihren dunklen Haaren, ihrem un-weißen Teint und den Bärten - also alle Iraner raus!

Den Becksteinschen Anti-Fußball-Fundi-Test kann mann übrigens nachlesen, nämlich hier. Was Pouja Khajeh-Zare, Spieler und Vorstand des Kreisligisten SV Iran Frankfurt davon hält, ist ebenfalls im Netz zu finden. Ebenfalls interessant: Iran-Fussball.de, die deutsche Seite für iranische Fans.

23 Februar 2006

Die Karikatur zum Krieg II



Danch gehts laut Bush nach Venezuela...



T-Shirt dänischer Neo-Nazis - inzwischen mainstream-tauglich




Kampf im Namen des Kreuzes!




Die deutsche Version. Gefunden bei ex-linken selbsternannten "Antideutschen"



Ebenfalls von dort: Der hakennasige Araber will unsere Kinder töten!

Audio: Die Karikatur zum Krieg

Im Moment sind Bilder von Muslimen, die europäische Botschaften belagern und Fahnen europäischer Staaten verbrennen in allen Medien. Gleichzeitig werden Drohungen westlicher Staatschefs gegen den Iran immer lauter. Der Konflikt um die Mohamed-Karrikaturen in einer Dänischen Zeitung wird von der Politik in Deutschland als Kampf demokratische Meinungsfreiheit gegen Fundamentalismus und Mittelalter dargestellt. Gegend diese Interpretion gibt es kaum Widerstand.

Interview mit Initiativ e.V zum Thema: Trifft die Interpretion des Karrikaturen-Streits als Kampf "Aufklärung gegen Mittlealter" den Kern der Auseinandersetzung

Materialien zum Feindbild "Islam"

Feindbild Islam



Materialien zur Kritik der Feindbildpflege für den nächsten Krieg gegen die "Achse des Bösen" bietet die Gruppe "Keine Alternative" auf www.feindbild-islam.de.vu

Wieder ein neuer Hitler

Auf Indymedia wird sich kritisch mit den grassierenden Hitler-Gleichsetzungen im deutschen Diskurs und der damit einhergehenden Verharmlosung der NS-Verbrechen beschäftigt, sowie die Frage nach dem dahinterstehenden Zweck gestellt.

Ahmadinedschad ist der neue Hitler, der Iran-Nazi-Deutschland - meint nicht nur Bundeskanzlerin Angela Merkel. Für ihren Kollegen G.W.Bush ist dagegen nicht nur der iranische Staatschef, sondern auch Hugo Chavez einer der neuen Hitlers.
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22 Februar 2006

Dänemark - was wird da eigentlich verteidigt?

Während seit den Protesten gegen die sogenannten "Mohammed-Karrikaturen" Geschrei nach "Solidarität mit Dänemark" und Traktate zur "Verteidigung der Pressefreiheit" den medialen Diskurs in Deutschland bestimmen, erfährt man kaum etwas über das angebliche Positivbeispiel Dänemark und seinen Umgang mit Bürgerrechten. Schon die Stilisierung der rechten "Jyllands-Posten" zur liberalen Kämpferin gegen "religiöse Intoleranz" sollte aufmerksam machen. Das Blatt selbst betreibt seit Jahren ausländerfeindlche Hetze und bezieht sich dabei auf eine angeblich "christliche Nation" Dänemark. Jyllands-Posten war u.a. auch an einer Hetz-Kampagne gegen die angeblich "unzüchtige" Darstellung von Jesus beteiligt. Es gibt also mehr als genug Gründe, das angebliche Vorbild Dänemark einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Hier unternimmt Andrea Noll den Versuch einer Chronologie des "Karikaturenstreits". Das politische Klima in Dänemark ist Thema in einem Artikel von Peter Schwarz. Wie es mit der Meinungsfreiheit in Dänemark generell aussieht, zeigt sich an diesem Beispiel ganz gut (engl.)

19 Februar 2006

Auf dem rechten Auge blind

Polizeigewerkschaft sieht wachsende Gewaltbereitschaft von Neonazis und beklagt Konzentration auf Islamismus

Auch die Gewerkschaft der Polizei betrachtet die neu bekannt gewordenen Zahlen zur Entwicklung rechtsextremistischer Straftaten als "besorgniserregend". Die Gefahren des Rechtsextremismus drohen immer weiter aus dem Blickfeld zu geraten", warnt der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Konrad Freiberg in einer Presseerklärung. Die Zahlen bestätigten die GdP-Auffassung, dass die Rechtsextremisten zunehmend ihre bürgerliche Fassade fallen ließen. Die noch in den letzten Jahren bevorzugte Taktik, nicht auf Provokationen von Gegendemonstranten einzugehen, weiche nunmehr immer öfter einer offenen Gewaltbereitschaft, auch gegenüber der Polizei. Gleichzeitig, so Freiberg, werde die Polizei durch die unverantwortliche Sparpolitik der Länder zu einer zunehmenden Kräfteverschiebung der polizeilichen Beobachtung von der rechtsextremen Szene hin zum islamistischen Extremismus gezwungen. Der GdP-Vorsitzende: „Wenn das Tischtuch auf der einen Seite heruntergezogen wird, liegt die Tischplatte auf der anderen Seite blank. Qualifizierte Beamte werden aus ihrem Fachgebiet herausgerissen und hinterlassen nicht zu füllende Lücken." Dadurch sei es nicht möglich, die Bekämpfung des Rechtsextremismus mit der notwendigen Kontinuität und den erforderlichen personellen Ressourcen fortzuführen.

Stimme der Vernunft

Zum sogenannten Karrikaturenstreit wird täglich neues - und unsägliches! - veröffentlicht. Dabei präsentieren sich die Führer der "Freien Welt" als Verteidiger der "Pressefreiheit". Diese Version wird von unzähligen Kommentaroren von links bis rechts widergekäut. Eine verdienstvolle Ausnahme stellt Sabine Kebirs Text im Freitag dar:

"Ich dachte immer, der Grad von Pressefreiheit misst sich an der ungestraften Möglichkeit, vor allem die eigenen Herrscher zu kritisieren und zu karikieren. Den vermeintlichen Feind zu reizen und zu verhöhnen, war und ist schließlich auch in Diktaturen erlaubt, oft sogar ausdrücklich erwünscht."
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